23.02.2012 05:41:55

Vorsicht bei "unechten" Ökostrom-Angeboten!

27.1.2012

Vorsicht bei unechten Ökostrom-Angeboten!

Piu700 / pixelio.de

Nicht alles, was sich Ökostrom nennt, ist für die Energiewende ein Gewinn: Die Mehrzahl der über 2.000 Tarife, die derzeit als „Ökostrom-Angebote“ daherkommen, leistet überhaupt keinen oder nur einen sehr geringen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Denn weil es an einer einheitlichen Kennzeichnung, verbindlichen Vorgaben sowie gesetzlichem Schutz für den Begriff „Ökostrom“ mangelt, üben sich Anbieter daran, mit phantasievollen Namen für den Strom mit grünem Anstrich zu werben. Ökostrom-Gütesiegel hingegen, die nach wissenschaftlich fundierten Kriterien arbeiten und unabhängig kontrolliert werden, sind Verbrauchern bislang – so das Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Dezember 2011 – völlig unbekannt.


„Schluss mit dem Labeldschungel“, fordert NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller, „wie bei der Biokennzeichnung für Lebensmittel muss ein einheitliches Gütesiegel für Ökostrom her. Nur so können Verbraucher schnell und zuverlässig erkennen, dass das Produkt tatsächlich ein Plus beim Ausbau umweltschonender Energien bringt.“ Bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat die Verbraucherzentrale NRW jetzt um Unterstützung für dieses Vorhaben geworben.
Energiewende verkehrt: Bundesweit beziehen mittlerweile rund drei Millionen Haushalte „Ökostrom“.

Der Aufpreis, den sie für den grünen Saft aus der Steckdose zahlen, wird jedoch nur selten in echte Energiewende umgemünzt. Denn viele Anbieter leisten – entgegen der Erwartung ihrer Kunden – keinen Beitrag zum Bau neuer und umwelt­freundlicher Stromerzeugungsanlagen, sondern etikettieren zum Beispiel Strom, den sie seit Jahren schon aus alten Wasserkraftanlagen gewonnen haben, einfach nur um.

„Stromanbietern spielt dabei in die Hände, dass der Begriff ‚Ökostrom’ weder genau definiert noch gesetzlich geschützt ist“, macht NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller die Ursachen fürs Greenwashing aus.

Zwar gibt es durchaus Ökostrom-Gütesiegel, die wissenschaftlich fundierte Kriterien bei der Labelvergabe zugrunde legen, unabhängige Kontrollen vorsehen und die Anstrengungen beim Zubau neuer Anlagen zur Energiegewinnung aus ökologisch vertretbaren Quellen transparent machen. Doch sind Verbrauchern diese bislang komplett unbekannt geblieben: „Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW hat TNS-Emnid ermittelt, dass 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger keine Ökostrom-Gütesiegel benennen konnten. Der Rest glaubte irrtümlicherweise, dass Ökostrom am Blauen Engel oder den Energieeffizienzklassen für Haushaltsgeräte zu erkennen ist“, fasst Klaus Müller zusammen.

Damit die Energiewende nicht zur Rolle rückwärts wird, sieht die Verbraucherzentrale NRW in einem einheitlichen und staatlich geprüften Gütesiegel den Königsweg: „Das Bundesumweltministerium sollte das Heft in die Hand nehmen. Denn ein verlässliches Ökostrom-Label mit hohen Anforderungen an den Ausbau der erneuerbaren Energien motiviert noch mehr Wechselwillige, auf Ökostrom umzusteigen. Und wo es nur ein Siegel gibt, steigert sich dessen Bekanntheitskurve fast von selbst und vereinfacht das Leben der Menschen“, zeigt der NRW-Verbraucherzentralenvorstand die Vorteile für Umwelt und Verbraucher auf.

„Die aktuelle Debatte um die Energiewende bietet Ansätze, die Anstrengungen für ein einheitliches Gütesiegel, die vor einigen Jahren noch nicht auf Zustimmung gestoßen sind, wieder aufzugreifen“, zeigt sich Klaus Müller optimistisch. In einem Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat die Verbraucherzentrale NRW jetzt eine neue Initiative für ein staatliches Ökostrom-Gütesiegel angeregt. Gemeinsam mit dem Öko-Institut und dem World Wide Fund For Nature (WWF) hatte sie im Jahr 2000 das Ökostrom-Gütesiegel „ok-power“ entwickelt, das nun in das einheitliche staatliche Siegel überführt werden soll.

Quelle:
Internet: http://www.vz-nrw.de

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